Home
Überblick
Der Schmied von Jüterbog
» lesen »»»
Der Name von Jüterbog
» lesen »»»
Wie die Jüterboger den Luckenwalder Kirchturm holen wollten
» lesen »»»
Die Keulen an den Toren Jüterbogs
» lesen »»»
Die Glocke von Jüterbog
» lesen »»»

Der Schmied von Jüterbog

In Jüterbog lebte einmal ein Schmied, der hatte seine Schmiede am Neumarkttor. Eines Abends spät kam zu ihm ein Mann, der hatte einen Esel bei sich. Er wollte ihn beschlagen haben. Eigentlich war ja der Arbeitstag schon zu Ende aber der Schmied tat den Leuten gern einen Gefallen. Und weil der Mann gar so bat, suchte er ein Hufeisen zurecht und beschlug den Esel. Dabei erzählte der Fremde, dass er auch noch kein Nachtlager habe: ob den der Schmied keines wüsste? Da gab ihm der Schmied ein Bett und den Esel brachten sie in den Pferdestall. Am anderen Morgen war der Fremde schon früh wieder raus. "Was bin ich schuldig, Meister Schmied", fragte er, als es den Esel aufgezäumt hatte. "Das ist ja nicht der Rede wert! Den Gefallen habe ich euch gern getan, guter Mann", meinte der Schmied. Aber der wollte die Hilfe des Meisters nicht umsonst gehabt haben. "So sagt mir drei Wünsche, die werde ich euch erfüllen", meinte er. Der Schmied wunderte sich über den sonderbaren Lohn. Und er sah sich den Fremden nun erst richtig an, den Wünsche erfüllen, dass kann doch nicht all und jeder. Da kam's ihm vor, als ob der andere so gar heilig aussähe. Dabei fielen ihm auch schon drei Wünsche ein. So sagte er: "Nun wenn ihr Wünsche erfüllen könnt und's euch nicht schwer fällt, so möchte ich gern, dass mein alter Lehnstuhl am Ofen jeden solange festhält wie ich's will; zweitens, dass mein Apfelbaum hinterm Haus einen, der draufsitzt, nicht eher loslässt, ehe ich's nicht will; und drittens, dass aus meinem Kohlensack keiner heraus kann, wenn er drin ist, ehe ich ihn nicht befreie". Jetzt wunderte sich der Fremde über die eigenartigen Wünsche des Schmieds. Doch dann nickte er ihm zu, sagte: "So soll's denn sein, Meister Schmied. Noch schönen Dank dazu und Auf Wiedersehn" und dann ritt er mit dem Esel davon.
Als einige Jahre vorbei waren, da klopfte es eines Abends wieder beim Schmied an der Tür. Wie er aber aufmachte, da stand er Tod vor ihm. "Schmied, deine Zeit ist um. Ich will dich hohlen", sprach er ihn an. Der Schmied erschrak, dass kann man sich denken. Als er sich aber wieder gefasst hatte, meinte er, so schnell brauche das doch mit dem Mitkommen nicht zu gehen. Er möge doch erstmal in der warmen Stube ausruhen und einen Augenblick mit reinkommen. Dabei könne er sich ja dann fertigmachen. Der Tod ließ sich auch zureden und ging mit rein. Der Schmied nötigte ihn auf seinen Lehnstuhl, da könne er ja ausruhen. Der setzte sich. Aber schon nach einem Weilchen hatte er keine Ruhe mehr. Er wollte hoch und den Schmied packen - da konnte er nicht los vom Stuhl, den der Schmied hatte heimlich gewünscht, der Lehnstuhl solle den Tod festhalten. Zuerst wusste der Tod nicht, wie ihm geschah. Dann aber fing er an zu zerren und zu toben. Doch nichts half. Er saß fest wie angekettet. Und bald merkte er, dass ihn der Schmied angeführt hatte. So blieb ihm nichts übrig, als den Schmied zu betteln und zu flehen, er möge ihn doch loslassen. Aber der wollte nichts davon hören. Als aber der Tod gar zu sehr jammerte, ließ er ihn unter der Bedingung frei, dass er noch zehn Jahre leben könne. Der hielt sich nicht weiter in der Schmiede auf und war im Augenblick verschwunden.
Doch die zehn Jahre, die der Schmid geschenkt bekommen hatte, gingen auch hin und eines Abends stand der Tod wieder vor der Tür. Er packte den Schmid gleich ins Genick: "Diesmal sollst du mir nicht entkommen, alter Bursche!" zischte er. "Sachte, sachte", meinte der Schmied. ""Natürlich komme ich mit dir. Das ist ja abgemacht. Aber lass mich doch erst noch meinen Mantel überziehen. Du kannst dir ja in der Zeit ein paar Äpfel pflücken. Sie sind eben reif. Die Leiter steht noch am Baum, wenn du so keine reichen kannst". Damit ging er zur Tür hinein. Der Tod sah ihm misstrauisch nach. Aber die Äpfel sahen gar zu rotbäckig aus, und er hatte wirklich rechten Hunger darauf. So stieg er flink auf den Baum. "Nun bleibe man drauf", rief da der Schmied durchs Fenster. Der Tod wollte mit einem Satz runterspringen - aber da saß er ja wieder fest, wie vor zehn Jahren auf dem Lehnstuhl. Es half alles Fluchen und Jammern nichts, der Schmied hatte ihn wieder angeführt. Aber diesmal sollte es noch besser kommen. Der Schmid hatte seinen Gesellen Bescheid gesagt. Die kamen nun mit eisernen Stangen und schlugen auf den Tod drauf los, dass es man so krachte. Sie kümmerten sich nicht darum, wie sehr der Tod dabei schrie. Der Schmied aber stand dabei und rieb sich die Hände. In seiner Not bettelte der Tod, er solle ihn doch freilassen. Er würde ihn auch in aller Ewigkeit in Ruhe lassen und würde nie mehr kommen, ihn zu holen. Darauf hatte der Schmied gewartet. Er ließ die Gesellen aufhören. Und als er dann vom Tod das feste Versprechen erhalten hatte, dass er sich nie wieder bei ihm sehen lassen würde, ließ er ihn frei.
Jammernd und humpelnd zog er ab. So traf ihn unterwegs der Teufel. "Was ist mit dir, Bruder Tod?" redete er ihn an. Erst wollte der nicht mit der Sprache heraus, denn die ganze Geschichte mit dem Schmied war ihm unangenehm. Dann aber erzählte er dem Teufel doch alles. Der lachte ihn noch dazu aus, wie er habe so dumm sein können. "Ich hätte das anders gemacht", meinte er. "Mit so einem lumpigen Schmid wird man doch im Handumdrehen fertig. So werde ich ihn mal für die Hölle holen". Und damit ging er vor die Schmiede und klopfte an das Tor und bat um ein Nachtlager. Der Schmied sah erst mal durchs Schlüsselloch, welch später Gast da noch sei. Wie er aber gewahr wurde, dass der Teufel vor der Tür stand, ließ er den Riegel vorschieben und rief ihm zu: "Guter Freund es ist schon zu spät in der Nacht. Das Wetter ist so furchtbar schlecht. Ich kann die Tür nicht mehr aufmachen. Wenn ihr aber durchs Schlüsselloch kommen könntet, so will ich euch gern aufnehmen und ein Lager geben". Der Teufel lachte sich eins und dachte, "dich wird ich schon kriegen" und - husch, sprang er durchs Schlüsselloch hindurch. Aber der Schmied war doch wieder klüger gewesen. Er hatte seinen Kohlensack vors Schlüsselloch gehalten. Da war der Teufel nun hinein gesprungen. Schnell wurde der Sack zugebunden und auf den Amboss geworfen. Die Schmiedegesellen packten alle ihre schweren Hämmer und schlugen auf den Teufel im Sack drauf los. Der sprang wie wild im Sack umher. Doch was half es, sie schlugen ihn windelweich. Er heulte und schrie, dass es in ganz Jüterbog zu hören war. Dann aber bat er den Schmied flehentlich, er möchte ihn doch aus dem Sack lassen. Aber sie ließen nicht nach, bis sie vom schlagen so müde waren, dass sie die Hämmer nicht mehr heben konnten. Den Teufel ließ aber der Schmied erst raus, als auch er ihm versprochen hatte, dass er sich nie mehr in der Schmiede sehen lassen wollte. Das versprach der gern und sprang wieder zum Schlüsselloch hinaus. Er soll aber nach der anderen Seite von Jüterbog hin weggelaufen sein, damit er den Tod nicht mehr traf. Er schämte sich doch zu sehr und fürchtete, dass er ihn auslachte.
Der Schmied aber freute sich, dass er die beiden Plagegeister für alle Zeiten los war.
"Der Schmied von Jüterbog" als PDF Datei Download

Der Name von Jüterbog

Als die Stadt Jüterbog gebaut worden war, wusste man nicht, welchen Namen man ihr geben sollte. Die Stadtväter beschlossen daher, vor das Stadttor zu gehen und dort zu warten, bis jemand käme. Wer zuerst das Stadttor durchschreite, nach dem wolle man die neue Stadt benennen. So geschah es auch. Es dauerte nicht lange, da kam eine Krügersfrau mit Namen Jutte, die führte einen weißen Ziegenbock mit sich. Da hat man dann die Stadt nach der Frau Jutte und dem Bock benannt. Deshalb führt die Stadt auch heute noch in ihrem Wappen einen weißen Ziegenbock
"Der Name von Jüterbog" als PDF Datei Download

Wie die Jüterboger den Luckenwalder Kirchturm holen wollten

Der Turm der Luckenwalder Johanneskirche hat nach der Sage nicht immer seinen heutigen Platz gehabt, sondern in früheren Zeiten unmittelbar neben der Kirche gestanden. Einst wollten die Jüterboger den Luckenwaldern einen Schabernack spielen. Ein Schlaukopf machte den Vorschlag, ihnen am Montag nach dem Schützenfeste zu mitternächtlicher Stunde ganz heimlich den Turm zu stehlen. Einer meinte: "Sie haben uns oft genug unseren Kien geräubert, warum sollen wir ihnen nicht auch einen Possen spielen!"
Und dann gingen sie daran, den Plan auszuführen. Gegen Mitternacht fuhren sie mit einem mächtigen Rollwagen über Listerdiek nach Luckenwalde. Der Luckenwalder Nachtwächter schlief gerade, weil er weil er auf dem Schützenfest zuviel gefeiert hatte. So konnten die Jüterboger ungehindert den Turm auf den Wagen laden. Es ging etwas schwer, aber es ging. Schwieriger war aber das Fortschaffen. Ja, das schien unmöglich zu sein. Als die vorgespannten Gäule anzogen, fingen die Bretter ganz mächtig an zu knarren. Und als sie zehn Schritte weit gekommen waren, war's zu Ende. Der starke Wagen zerbrach und der Turm rutschte glatt auf den Erdboden. An der Stelle mussten sie ihn lassen und da steht er noch heute. Von dem Lärm waren aber die Luckenwalder wach geworden. Sie fielen über die Jüterboger her und trieben sie zur Stadt hinaus.
"Wie die Jüterboger den Luckenwalder Kirchturm holen wollten" als PDF Datei Download

Die Keulen an den Toren Jüterbogs

In Jüterbog lebte in alten Zeiten ein Mann, der in seiner Jugend arm, aber durch Fleiß und Sparsamkeit wohlhabend geworden war. Schon zu Lebzeiten verteilte er sein Geld und Gut an seine Söhne und hoffte, sie würden, wenn er alt geworden sei und nichts mehr verdienen könne, für ihn sorgen. Es waren aber undankbare Kinder, die sich um ihren alten Vater nicht kümmerten. Da ließ der Vater eines Tages alle drei Söhne zu sich kommen, zeigte ihnen eine große, schwere und festverschlossene Kiste und sprach: "Diese Kiste mit ihrem Inhalt soll nach meinem Tod der von euch haben, der mich in seinem Haus aufnimmt." Nun wollte jeder der Söhne die Erbschaft machen. Und alle drei waren bereit ihn aufzunehmen. Schließlich einigten sie sich, gemeinsam für den Vater zu sorgen und sich nach dem Tode desselben die Erbschaft zu teilen. Der Vater ließ drei Schlösser an die Kiste hängen und gab jedem den Schlüssel zu einem Schloss. Er litt von nun an keine Not bis an sein Ende. Als er gestorben war, öffneten die Söhne sofort die Schlösser und hoben neugierig den Deckel der Kiste. Sie wurden aber arg enttäuscht, denn die Kiste enthielt nur Steine und Sand. Obendrauf lag eine Keule und dabei ein Zettel mit den Worten:
"Wer seinen Kindern gibt das Brot,
und leidet nachmals selber Not,
den schlage man mit dieser Keule tot."
Der Rat der Stadt hat bald danach an alle Tore der Stadt eine solche Keule mit dem Spruch anbringen lassen, um für alle Zeiten die Eltern zu warnen und die Kinder zu mahnen.

Es gibt noch eine zweite Geschichte die uns auch berichtet, wie Jüterbog zu dem Spruch an seinen Toren gekommen ist:
Zur Zeit der Reformation lebte in Jüterbog ein reicher Bürger Teupitz. Der war überall beliebt und tat Gutes, wo er nur konnte. Er hatte einen Sohn. Der war geldgierig und böse. Er fürchtete, dass der Vater gar zu viel von seinem Geld ausgeben würde. Nun überredete er ihn, dass er ihm sein Erbteil schon gleich geben solle. Er könne dann bei ihm wohnen. Das tat der Vater, und kaufte ihm noch einen Gasthof dazu. Als aber der junge Teupitz alles Geld hatte, wollte er nichts mehr von seinem Vater wissen, und verstieß ihn. So musste er nun bei Freunden ein Unterkommen suchen. Er lebte im Hause des Ratsherrn Felgentreu.
Der junge Teupitz hatte später eine Tochter Gertrud. Die war lieb und gut und überall gern gesehen. Sie war mit einem Jüterboger Bürgerssohn Georg Felgentreu verlobt. Doch ein anderer Jüterboger, Jacob Henze, wollte sie auch zur Frau haben. Und weil er der Freund ihres Vaters war und immer bei ihm zechte, sollte Gertrud ihn zum Mann nehmen. Sie weigerte sich aber und wollte nicht von ihrem Verlobten lassen. Darüber geriet der Vater so in Zorn, dass er sie verstieß. Auch sie wurde im Hause des alten Ratsherrn Felgentreu aufgenommen. Doch eines Tages raubte sie Jacob Henze mit einigen seiner Zechgenossen.
All das hat der alte Teupitz mit ansehen müssen. Und durch den Ärger über seinen ungeratenen Sohn wurde er krank und schwach. Vor seinem Tode bat er aber noch den Rat der Stadt Jüterbog, er möchte zur Warnung für alle Eltern an den Toren der Stadt eine Keule anbringen lassen und einen Spruch dazu:
"Wer seinen Kindern gibt das Brot
und leidet nachmals selber Not,
den schlage man mit der Keule tot."
Das haben die Ratsherren getan. Der alte Teupitz ist dann bald gestorben. Seitdem hängen bis heute noch die Keulen an den Jüterboger Toren und dabei der Spruch auf einem Brett.
"Die Keulen an den Toren Jüterbogs" als PDF Datei Download

Die Glocke von Jüterbog

Die Jüterboger hatten vor mehreren hundert Jahren für den Turm der Nicolai Kirche eine sehr schöne Glocke gießen lassen, zu der fromme Leute der Stadt Gold und Silber gegeben hatten. Von dieser herrlichen Glocke hörte der Erzbischof von Magdeburg. Er Kam nach Jüterbog, um die Glocke da läuten zu hören. Man hatte ihm nämlich in Magdeburg gesagt, dass weit und breit eine Glocke von so schönem reinen Klang nicht zu finden sei.
Als er in Jüterbog angekommen war, befahl er, dass man die Glocke läute. Die Jüterboger hatten aber erfahren, dass der Erzbischof die Glocke mitnehmen wollte, wenn sie ihm gefiel. Und weil sie sich von ihrer Glocke nicht trennen wollten, wickelten sie ein altes Tuch um den Glockenklöppel. Als dann der Türmer die Glocke läutete, war ihr Klang ganz dumpf. Wie das der Bischof hörte, schüttelte er mit dem Kopf und sagte, die Glocke sei schlecht, für Jüterbog möge sie gut genug sein, in Magdeburg sei sie nicht zu gebrauchen.
So behielten die Jüterboger ihrer Glocke bis auf den heutigen Tag.
"Die Glocke von Jüterbog" als PDF Datei Download

zurück vor