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Stadtgeschichte

Rathaus
Erstmals schriftlich erwähnt wird Jüterbog im Jahre 1007. Thietmar von Merseburg berichtet, er und seine Begleiter wären bei der Verfolgung ihrer Feinde an einem Ort Namens "Jutriboc" vorbei gekommen, hätten dort aber aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Verfolgung beendet und wären umgekehrt. Dieses "Jutriboc" war damals eine slawische Siedlung in der Nutheniederung.
Über die nächsten 150 Jahr ist uns nichts bekannt. Anno 1157 dann, nimmt Wichmann Erzbischof von Magdeburg an der endgültigen Eroberung der Slawenfestung Brandenburg durch Albrecht den Bär teil. Freilich jedoch hat er die Absicht die eigenen Besitzungen zu erweitern und besetzt schließlich auch die östliche Flämingregion, die dem Erzbistum damit abgabenpflichtig wird. Das Gebiet ist aber nur schwach besiedelt und Wichmann holt zur Besiedlung vor allem Niederländer und Flamen ins Land. Aus der Herkunft der neuen Siedler erklärt sich dann auch der Name Fläming.
Um seinen neuen Besitz zu verteidigen, baute Wichmann eine Burg sowie eine Kirche. Die Existenz der Burg ist seit 1160/61 sicher belegt. Noch heute kann man im Schlosspark, an dem Ort wo sie gestanden haben soll, einen Hügel sehen. Die Kirche, die heutige Damm- oder Liebfrauenkirche, wird in der späteren Dammvorstadt errichtet. Zur Zeit ihres Baus hieß sie noch Marienkirche. Sie war um 1173 die Hauptkirche eines größeren Gebietes.
Im Jahre 1170 kommen auf Betreiben des Erzbischofs von Magdeburg dreizehn Zisterzienser Mönche aus dem Kloster Altenberg bei Köln, unter Führung des Abts Theodorius nach Jüterbog. Sie sollen das noch unerschlossene Land bewirtschaften und so einen raschen Aufschwung der Wirtschaft fördern. Die Mönche erhalten Land in einer Nutheniederung nördlich von Jüterbog, nahe dem alten wendischen Dorf Sinnow. Daraus wurde der Name des neuen Klosters - Zinna - abgeleitet. Das Kloster war das erste Zisterzienserkloster östlich der Elbe. 1226 erfolgte die Weihe der Klosterkirche.
Am 29. April 1174 war es dann so weit. Wichmann verlieh Jüterbog aus politischen Gründen das Magdeburger Stadtrecht und gewährte ihr Zollfreiheit.
Die Verleihung des Stadtrechts erfolgte zur Weihe der Marienkirche als «ecclisia principalis» die damit den Status der Hauptkirche des Landes erhielt. Sie ist die zweitälteste Kirche im Land Brandenburg. Nach einer Erhebung der Wenden im Jahr 1177 und einer fast völligen Zerstörung der Stadt anno 1179, erlebte Jüterbog nach der Verleihung des Stadtrechts einen schnellen Aufschwung und kommt zu nennenswertem Reichtum.
Durch die günstige Lage der Stadt an zwei alten Fernhandelsstraßen - Magdeburg über Frankfurt/Oder nach Stettin und Leipzig über Wittenberg nach Berlin - kommt es zu einer schnellen Belebung des Fernhandels. Durchziehende Kaufleute mussten Steuern entrichten und ihre Waren auf dem Marktplatz zu Kauf anbieten.
Durch den Aufschwung des Fernhandels kamen auch die Handwerkszünfte zur Blüte. In Jüterbog gab es Bäcker, Gewandschneider, Fleischer, Schuster, Leineweber, Gerber und Kürschner. Vor allem die Zunft der Tuchmacher war recht stark vertreten. Um 1500 gab es in Jüterbog fast zweihundert Tuchmachermeister. Die Viehzucht, die Bierbrauerei und der Weinanbau wurden betrieben. In der Umgebung von Jüterbog gab es nicht weniger als 23 Windmühlen. "Die Sieben Churfürsten" soll im späten Mittelalter das beste Gasthaus Deutschlands gewesen sein.
Um das Jahr 1180 wird dann der Aufbau einer neuen Stadtanlage geplant. Der Boden entlang der Nuthe war sehr feucht und so wurden die neuen Gebäude auf einem Sandhügel parallel zum Verlauf zweier Hauptstraßen (Große Straße - Pferdestraße und Planeberg - Zinnaerstraße - Mönchenstraße) errichtet. Die Hauptstraßen wurden für die damalige Zeit sehr breit gehalten, um sowohl durchziehenden Kaufleuten die Durchfahrt zu ermöglichen, als auch an den Straßen selber handeln zu können. Der sehr großzügig gehaltene Marktplatz diente ausschließlich dem Fernhandel. Ein lokaler Markt befand sich in dem kleinen, im frühen 13. Jahrhundert entstandenen Nachbarort Neumarkt. Erstmals erwähnt wird Neumarkt im Zusammenhang mit der Nennung der Jakobikirche im Jahre 1218.
Die Bedeutung, die der Fernhandel für die damalige Entwicklung von Jüterbog hatte, wird auch durch die Tatsache belegt, dass schon 1287 auf dem Marktplatz zuerst ein Kaufhaus sowie ein Marktturm zur Überwachung des Fernhandelsmarktes und kein Rathaus gebaut wurde. Das Kaufhaus diente zunächst auch der Verwaltung, bis ihm im 14. Jahrhundert ein Rathaus angegliedert wurde. Um 1500, nach dem Brand von 1478, wird mit dem Bau eines neuen Rathauses begonnen. Es wird anno 1507 fertiggestellt.
Um das Jahr 1282 wurde in der Dammvorstadt ein Zisterzienser-Nonnenkloster gegründet, dass mit dem Kloster in Zinna aber nichts zu tun hatte. Im späten 15. Jahrhundert kam dann noch ein Franziskanerkloster - das Mönchenkloster - hinzu. 1540 wurden dann im Rahmen der Religionsfreiheit alle Klöster aufgelöst.
Die erste Stadtbefestigung bestand aus einem mit Grundwasser gefüllten Graben und einem Erdwall, der aus dem Aushub aufgeschüttet wurde. Um 1200 wurden jedoch die vorhandenen Befestigungen ausgebaut und es entstanden Holzpalisaden mit Tortürmen. Die drei Haupttore - das Dammtor im Westen, das Zinnaer Tor im Norden und das Neumarkttor im Osten - wurden dann mit der Errichtung einer massiven Steinmauer um 1300 ausgebaut.
Die Jüterboger Stadtmauer war zur damaliger Zeit etwas besonderes. Die hohe aus Feld- und Backsteinen errichtete Befestigungsanlage war mit zahlreichen Türmen und Bastionen versehen. Außen vor der Stadtmauer lagen tiefe Gräben, zwischen denen wiederum Erdwälle aufgeschüttet waren. Die Erdwälle waren mit dichten Hecken und Dornengestrüpp bepflanzt, um einen Angriff noch zusätzlich zu erschweren. Die Flamen bezeichneten die Hecken mit «Hag». Straßen, die am Ort des damaligen Wallgangs liegen, tragen noch heute Namen wie Ober-, Süd- oder Bleichhag.
In der Zeit vom 14. Jahrhundert bis zum Jahre 1623 fanden in Jüterbog mehrfach Zusammenkünfte der Reichsfürsten und sächsische Städteversammlungen statt.
Das Wahrzeichen von Jüterbog die Kirche St. Nikolai wird in mehreren Etappen in der Zeit von 1340 - 1500 auf romanischen Fundamenten erbaut. Sie ist zu ihrer Zeit eine Kirche für Seefahrer und Kaufleute. Die Größe veranschaulicht den Reichtum der Jüterboger Fernhändler in dieser Zeit.
Ein verheerender Brand im Jahr 1478 zerstörte weite Teile der Stadt. Etwa fünf Sechstel aller Häuser fielen den Flammen zum Opfer, oder anders gesagt 300 von 360 Häuser brannten nieder. Für die Magdeburger Erzbischöfe war Jüterbog eine Prestigestadt. Innerhalb von nur 30 Jahren erfolgte der Wiederaufbau mit einer modernen Infrastruktur. Ein neu erlassenes Brandschutzgesetz sollte verhindern, das sich eine solche Katastrophe wiederholte. Es schrieb unter anderem vor, dass nur noch steinerne Dächer gebaut werden durften. Die Stadtbefestigung wurde ebenfalls völlig neu errichtet.
Der Ablassprediger Johann Tetzel tritt 1517 in Jüterbog auf. Das veranlasst Martin Luther im benachbarten Wittenberg zum Anschlag seiner 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablass. Die sich anschließenden Reformationswirren bringen dem Land 1540 die Religionsfreiheit.
Thomas Müntzer hält sich im Jahr 1519 kurzzeitig in Jüterbog auf und ist in der Stadt auch als Prediger tätig. Wenig später setzt sich in Jüterbog die Reformation durch.
Der Dreißigjährige Krieg beginnt im Jahre 1618. Jüterbog ist zu diesem Zeitpunkt eine bedeutende Handels- und Konferenzstadt. Die Zahl der Einwohner beträgt bei Ausbruch des Krieges 4000.
Der Dreißigjährige Krieg:
  • 1625 im "Roten Meer" kommt es zu einem Blutbad durch die kaiserlichen Truppen
  • 1626/27 nimmt Wallenstein Quartier in Jüterbog
  • 1631/32 schwedische Truppen fallen in Jüterbog ein und verwüsten es
  • 1635 Jüterbog gerät in politisch-territoriale Spannungen zwischen Kurbrandenburg und Kursachsen, als Folge wird das Amt Jüterbog an Kursachsen abgetreten
  • 1637 bricht die Pest in Jüterbog aus
  • 1639 in Jüterbog herrscht Hungersnot
  • 1640/41 sächsische und schwedische Truppen erpressen die Stadt abwechselnd
Bei Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 sind noch 300 Einwohner am Leben. Die Stadt ist durch die vielen Plünderungen der verschiedenen Heere total zerstört.
In den Jahren von 1656/1746 gehört Jüterbog zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Weißenfels
Im Jahr 1680 fällt Jüterbog an Sachsen.
Am Morgen des 29. August 1756 überschreitet die preußische Armee die Grenze nach Sachsen. König Friedrich II. nimmt Quartier in Jüterbog und schickt einen Boten an den Dresdner Hof mit der Aufforderung "Bündnis oder Krieg". Damit hatte der Siebenjährige Krieg seinen Anfang genommen.
In der Nacht zum 6. September 1813 dient das Jüterboger Rathaus als Lazarett für Verwundete der Schlacht bei Dennewitz. Sowohl Preußen wie Sachsen werden im Rathaus versorgt.
Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Jüterbog Preußen zugeschlagen und wird Kreisstadt. Bis dahin blieb die Stadt weitgehend unverändert. Eine im Jahre 1820 durchgeführte Volkszählung ergab eine Bevölkerungszahl von 3720 Einwohnern. Die Entwicklung zur Beamten- und Garnisonsstadt beginnt.
Die Wälle der Stadtbefestigung werden ab 1820 abgetragen und die Gräben zugeschüttet.
Die Kunststraße, heute die B101 wird im Jahre 1827 gebaut.
Mit dem Bau der Berlin-Anhalter Bahn 1841 erhielt Jüterbog einen Eisenbahnanschluss. Nach und nach kamen weitere Linien dazu.
  • 1848 Riesa
  • 1897 Zossen
  • 1900 Dahme
  • 1903 Treuenbrietzen
Der mit dem Eisenbahnanschluss entstandene Bahnhof Jüterbog lag zur damaligen Zeit etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt. Um ihn mit dem Ort zu verbinden, wurde die Jüterboger Straßenbahn AG gegründet, welche die Aufgabe mit dem Bau einer Pferdebahn löste. Sie hielt vom 21.03.1897 bis 29.07.1928 den Betrieb aufrecht. Danach wurden zur Verbindung von Bahnhof und Stadt Omnibusse eingesetzt.
Die ca. drei Kilometer lange Strecke führte vom Bahnhof zur Zinnaer Vorstadt. Täglich gab es 20 Fahrten, wobei drei Wagen und zwölf Pferde zum Einsatz kamen. Die Jüterboger Pferdebahn hatte eine Spurweite von 1000 mm. 1902 wurde eine Elektrifizierung der Pferdebahn erwogen, jedoch nicht umgesetzt. Am 01.10.1907 zog die Pferdebahn in ein eigenes Depot in der Zinnaer Vorstadt. Bis dahin war sie provisorisch in einem Gebäude des Hotel Herold untergebracht.
1938 wurde die Jüterboger Straßenbahn AG aufgelöst. Die Gleise der Pferdebahn verblieben zum Teil noch bis in die 50er Jahre hinein in der Fahrbahn.
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